Wennn der Pflegefall eintritt

Liegt ein Pflegefall vor?

Der Begriff der Pflegeversicherung wurde vom Gesetzgeber definiert. Der Begriff der Pflegebedürftigkeit ist im im Sozialgesetzbuch XI (§ 14 SGB) definiert. In § 15 SGB werden dort die Pflegestufen definiert. Leistungen der Pflegeversicherungen kommen immer dann in Betracht, wenn Hilfe, zusätzliche Betreuung und Pflege erforderlich sind.

Die Leistungen sind jedoch an bestimmte Voraussetzungen geknüpft:

Demnach ist pflegebedürftig, wer wegen einer Krankheit oder Behinderung bei den Alltagsaktivitäten in erheblichem Umfang und mindestens 6 Monate der Hilfe bedarf. Soweit es sich um Tätigkeiten handelt, die die meisten Menschen tagtäglich zu ihrer persönlichen Versorgung (Körperpflege, Nahrungsaufnahme, Mobilität etc.) erledigen, fallen diese in den Bereich der Grundpflege. Die Höhe der Pflegeeinstufung hängt von der Häufigkeit und dem zeitlichen Aufwand für die Hilfeleistungen ab. Diese rein zeitliche Orientierung und Einstufung wird heftig kritisiert. Sowohl pflegende Angehörige als auch erfahrene Pflegedienste bestätigen, dass die für die einzelnen Hilfen und Verrichtungen vom Medizinischen Dienst angesetzten Zeiten bei weitem nicht ausreichen. Für einen begleiteten Toilettengang werden maximal zwischen 2 und 6 Minuten veranschlagt. Der tatsächliche Zeitaufwand ( zur Toilette hinbringen, Ausziehen, Säubern nach Verrichtung, anziehen, Hände waschen, zurück bringen) ist wesentlich höher.

Diese knappe zeitliche Bemessung wirkt sich wowohl bei der Einstufung der Pflegebedürftigkeit als auch bei der mangelnden Kostendeckung bei der professionellen Pflege durch einen Pflegedienst oder in einer Pflegeeinrichtung aus: Die Pflegeversicherung zahlt nur aufgrund eines (niedrigen) fiktiven Zeitaufwands, der Pflegedienst rechnet nach dem tatsächlichen Zeitaufwand ab. Die Differenz ist aus privater Tasche zu entrichten. 

Wenn keine zusätzlichen Mittel bereit gestellt werden können, muss zwangsläufig die Qualität der Pflege leiden!

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Rat und Hilfe einholen!








Wenn Sie bzw. ein Angehöriger Hilfe brauchen, gibt es zahlreiche Stellen, die Ihnen zur Seite stehen. Fragen Sie z.B beim Bürgeramt Ihrer Gemeinde nach. Dieses wird Ihnen die Adressen der Pflegeberatung bzw. des nächst gelegenen Pflegestützpunkts nennen können. In den meisten Krankenhäusern gibt es einen Sozialdienst, der Ihnen eine Erstberatung und wertvolle Hinweise geben kann.


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Pflegestufen 1 -3


Pflegestufe I
- erhebliche Pflegebedürftigkeit
Erhebliche Pflegebedürftigkeit liegt vor, wenn bei der Grundpflege (= der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität) für wenigstens zwei Verrichtungen mindestens einmal täglich Hilfe notwendig ist. Zusätzlich muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt werden. Der wöchentliche Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere Pflegeperson für die täglichen Verrichtungen erbringt, muss im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten betragen. Auf die Verrichtungen der Grundpflege müssen mehr als 45 Minuten entfallen.

Pflegestufe II - Schwerpflegebedürftigkeit
Schwerpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten Hilfe notwendig ist. Zusätzlich muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt werden. Der wöchentliche Zeitaufwand, der für die täglichen Verrichtungen zu erbringen ist, muss im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden betragen. Auf die Verrichtungen der Grundpflege müssen mindestens zwei Stunden entfallen.

Pflegestufe III - Schwerstpflegebedürftigkeit
Schwerstpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität täglich rund um die Uhr, auch nachts, Hilfe notwendig ist. Zusätzlich muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt werden. Der wöchentliche Zeitaufwand, der für die täglichen Verrichtungen zu erbringen ist, muss im Tagesdurchschnitt mindestens fünf Stunden betragen. Auf die Verrichtungen der Grundpflege müssen mindestens vier Stunden entfallen.

Begriff der Pflegebedürftigkeit ist im im Sozialgesetzbuch XI (§ 14 SGB) definiert. 
In § 15 SGB werden dort die Pflegestufen definiert. 
Jeder Krankenversicherte - egal, ob als Mitglied einer Gesetzlichen Krankenkasse oder Privaten Krankenversicherung - ist auch Mitglied der gesetzlichen Pflege - pflicht - versicherung. Wie bereits oben aufgezeigt, ist das SGB XI die Regelungsgrundlage.Hier wird auch werden die Pflegestufen nach dem (fiktiven) zeitlichen Aufwand bestimmt.


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Pflegestufe 0


Pflegestufe 0
- Versicherte mit eingeschränkter Alltagskompetenz 
Im Gesetz gibt es offiziell keine Pflegestufe 0. Der Begriff steht meist für Menschen mit Demenz, die körperlich so fit sind, dass sie keiner Pflegestufe zugeordnet werden. Allerdings müssen sie beaufsichtigt werden, weil sie sich nicht mehr orientieren können und gerne weglaufen. Auch wenn sie mit den Gefährdungen des Straßenverkehrs nicht mehr zurecht kommen und ihren Alltag nicht mehr eigenständig strukturieren können, sind das Kriterien, die einen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung ergeben können.


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Das 1. Pflegestärkungsgesetz - Regelungen ab 01.01.2015


Der Deutsche Bundestag hat am 17.10.2014 das Pflegestärkungsgesetz beschlosssen. Es sieht ab 1. Januar 2015 bessere Leistungen in der ambulanten und stationären Pflege vor.
Die Leistungen werden in der ambulanten Pflege um rund 1,4 Milliarden Euro steigen. In der stationären Pflege sind es etwa eine Milliarde Euro.  Es folgt der weitere Gesetzgebungsweg. Das Gesetz soll ab dem 01.01.2015 gelten.

„Mit dem Pflegestärkungsgesetz helfen wir Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen, die Pflege zu Hause zugeschnitten auf ihren Bedarf zu organisieren“, sagt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. „Dabei können sie – finanziert durch die Pflegeversicherung – die Unterstützung durch professionelle Pflegekräfte, aber auch durch Haushaltshilfen, Alltagsbegleiter oder ehrenamtliche Helfer in Anspruch nehmen.“

Zusätzlich wolle man die Lebensqualität der Pflegeheim-Bewohner verbessern. Dazu steige die Zahl der Betreuungskräfte in Pflegeheimen von heute 25.000 auf 45.000. Weiteres Ziel: Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf besser zu vereinbaren. „Wer kurzfristig die Pflege eines Angehörigen organisieren muss, etwa nach einem Schlaganfall, kann künftig eine zehntägige bezahlte Auszeit vom Beruf nehmen. Dafür stellen wir rund 100 Millionen Euro aus der Pflegeversicherung bereit“, so Gröhe.

Das beschlossene Gesetz ist Wegbereiter für das zweite Pflegestärkungsgesetz, das im kommenden Jahr abgesegnet werden soll. Mit ihm würde es ein neues Verfahren zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit geben, das insbesondere die Demenz besser berücksichtigt.

Die Werte für 2015 sind bereits in unserem Rechner für die Pflege durch Angehörige, durch einen ambulanten Pflegedienst und für die stationäre Pflege erfaßt. 

Weitere Angaben zur Verhinderungspflege, zu teilstationären Leistungen, zur Tagespflege finden sie wie folgt:

Hier ein Überblick über die Leistungen ab 01.01.2015



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Das 2. Pflegestärkungsgesetz (ab 2017)

Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz soll noch in dieser Wahlperiode der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsverfahren eingeführt werden.

Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen und Demenzkranken soll dadurch wegfallen, wie es auf der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) heißt. Im Zentrum stehe der individuelle Unterstützungsbedarf jedes Einzelnen. Dadurch werde die Pflegeversicherung auf eine neue Grundlage gestellt.

Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz werden die Beiträge zur Pflegeversicherung nochmals um 0,2 Prozentpunkte angehoben. Durch diese beiden Beitragssatzerhöhungen aus dem 1. und dem 2. Pflegestärkungsgesetz stehen insgesamt fast fünf Milliarden Euro mehr für Verbesserungen der Pflegeleistungen zur Verfügung. Die Leistungen der Pflegeversicherung können dadurch um etwa 20 Prozent ausgeweitet werden.


Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff & neues Begutachtungsverfahren
Das 1. Pflegestärkungsgesetz war schon der Vorbote, damit jetzt im 2. Schritt der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt werden kann. Die individuelle Situation des Pflegebedürftigen und deren Angehörigen soll mehr berücksichtigt werden und die Unterschiede zwischen körperlichen, geistigen und psychischen Einschränkungen im täglichen Leben sollen schwinden. Es wird also ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff installiert und damit wird auch ein neues Begutachtungsverfahren erforderlich.


Fünf Pflegegrade, die der individuellen Pflegebedürftigkeit besser gerecht werden
Statt 3 Pflegestufen soll es künftig 5 Pflegegrade geben. Eine geringe Beeinträchtigung wäre dann Pflegegrad 1 bis hin zur schwersten Beeinträchtigung = Pflegegrad 5. Hierbei spielt eine Rolle, was jemand noch alleine kann bzw. wo derjenige Unterstützung benötigt.

Gänzlich neu ist diese Idee nicht. Es wurde bisher auch kein Unterschied gemacht, ob jemand körperliche oder geistige Einschränkungen hatte. Auch ein Demenzkranker konnte bzw. kann in Pflegestufen eingestuft werden, weil er Hilfe bei den täglichen Verrichtungen bedarf. In diesen Fällen geht es dann mehr um die Anleitung zur Pflege als um die umfassende Hilfe.
Eine genauere und fairere Erfassung der Hilfsbedürftigkeit ist voraussichtlich durch die Erhöhung von 3 auf 5 Stufen/Graden möglich. Wie oft befinden sich die Pflegebedürftigen „zwischen“ den Stufen, wo alle gern schon z.B. die Pflegestufe 1,5 gehabt hätten. Die Hürde zwischen den einzelnen Pflegestufen war bisher einfach zu groß. Ob sich hier tatsächlich Verbesserungen für die Betroffenen einstellen, muss die Praxis zeigen.
Die Einstufung wird jetzt auch nicht mehr nach der zeitlichen Komponente untersucht, sondern nach Punkten. Diese sollen abbilden, in wie weit die Selbständigkeit der Person eingeschränkt ist. Es werden Aktivitäten in sechs pflegerelevanten Bereichen untersucht.
 
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Folgen der neuen Pflegegesetze

Die Erkenntnis, dass es dringend notwendig ist auf den demografischen Wandel zu reagieren, ist ohne Zweifel richtig. Angesichts der zu erwartenden Verdoppelung der Anzahl der Pflegebedürftigen auf nahe zu 4 Milionen Menschen, sollt jedem klar sein, dass von staatlicher Seite lediglich eine Mindestpflege ("satt und trocken") gewährleistet werden kann. Selbst dieses absolute Mindestziel ist fraglich.

Beleg: "Reise nach Methusalem", WDR 2010 - Die Story

Zu den Auswirkungen der jüngsten Pflegereform auf die privaten Zusatzversicherungen siehe hier.


 
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